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Schritt 7: Verhalten im Blackout

Ressourcen einteilen, durchhalten, handlungsfähig bleiben
Keine Anmeldung · Keine Daten · Kein Stress

📊 Ressourcen einteilen – Rationierung von Anfang an

Grundregel: Gehe vom Schlimmsten aus.

Du weißt nicht, wie lange der Blackout dauert. Rationiere von Anfang an, als würde er 10+ Tage dauern. Wenn er früher vorbei ist – umso besser. Aber wenn nicht, hast du noch Reserven.

Wasser rationieren

  • Feste Tagesration: 2,5 Liter pro Person
    • 2 Liter trinken, 0,5 Liter kochen
    • Notiere verbrauchtes Wasser (Strichliste)
  • Hygiene minimieren:
    • Feuchttücher statt Händewaschen
    • Einweg-Geschirr nutzen (kein Abspülen)
    • Toilettenspülung nur wenn nötig (Nottoilette verwenden)
  • Wasserquellen im Auge behalten:
    • Gibt es Notbrunnen in der Nähe?
    • Nachbarn mit Brunnen fragen

Wenn Wasser knapp wird: Trinken hat absolute Priorität. Hygiene und Kochen zurückstellen. Verdursten ist nach 3 Tagen lebensbedrohlich – dreckige Hände nicht.

Essen rationieren

  • Mahlzeiten planen: 2–3 Mahlzeiten pro Tag
    • Frühstück: Müsli, Zwieback, Trockenobst
    • Mittag: Konserven (kalt oder warm)
    • Abend: Brot, Käse, Wurst
  • Kalt essen bevorzugen: Spart Gas und Wasser
    • Nur 1× pro Tag kochen (z. B. warmes Wasser für Tee/Kaffee)
  • Reihenfolge beachten:
    • Tag 1–2: Verderbliches aus Kühlschrank (Fleisch, Milch)
    • Tag 3–10: Konserven, Knäckebrot, Dauerwurst
    • Tag 10+: Notreserven (letzte Dosen, Energieriegel)

Tipp: Kleine Snacks zwischendurch heben die Moral. Ein Stück Schokolade oder ein paar Nüsse können viel bewirken.

Energie rationieren (Licht, Batterien, Gas)

  • Licht: Nur wo nötig
    • Zentrale Laterne im Hauptraum (abends 3–4 Stunden)
    • Taschenlampen nur kurz nutzen
    • Tagsüber Vorhänge auf (Tageslicht nutzen)
  • Handy/Tablet: Nur für Wichtiges
    • Flugmodus an (nur zum Checken von Nachrichten aus)
    • Bildschirmhelligkeit auf Minimum
    • 1× pro Tag kurz Radio hören (10 Min.)
  • Gas (Campingkocher):
    • 1 Gaskartusche (230 g) = ~2 Stunden Kochzeit
    • Maximal 15–20 Min. pro Tag kochen
    • Thermoskanne nutzen (einmal aufkochen, warmhalten)

⏰ Tagesroutine etablieren – Struktur hilft

Ohne Arbeit, Schule, Termine fühlen sich die Tage endlos an. Eine feste Routine gibt Halt.

Zeit Aktivität Zweck
7:00 Aufstehen, Frühstück Tagesrhythmus beibehalten
8:00 Radio hören (Nachrichten) Infos zur Lage
9:00 Vorräte checken, Haushalt Ordnung schaffen, Beschäftigung
12:00 Mittagessen (warm oder kalt) Hauptmahlzeit
14:00 Nachbarn checken, Spaziergang (wenn möglich) Soziale Kontakte, Bewegung
16:00 Beschäftigung (Lesen, Spiele) Zeitvertreib, Moral
18:00 Abendessen Leichte Mahlzeit
20:00 Gemeinsame Zeit (Gespräche, Spiele) Familienzusammenhalt
22:00 Schlafen gehen Energie sparen (Licht aus)

Warum so früh ins Bett? Ohne Licht und Unterhaltung ist abends wenig zu tun. Früh schlafen spart Energie (Licht, Heizung) und verkürzt die gefühlte Zeit.

🎯 Beschäftigung & Moral – Zeit sinnvoll nutzen

Langeweile und Untätigkeit sind gefährlich für die Moral. Halte dich und deine Familie beschäftigt.

Was tun ohne Strom?

  • Lesen: Bücher, alte Zeitschriften
    • Tagsüber am Fenster (Tageslicht nutzen)
  • Gesellschaftsspiele: Karten, Brettspiele, Würfelspiele
    • Jetzt vorrätig haben!
  • Gespräche: Zeit für Familie
    • Geschichten erzählen, Erinnerungen teilen
  • Handarbeit: Stricken, Basteln, Reparaturen
    • Gibt Beschäftigung und Erfolgserlebnisse
  • Tagebuch schreiben: Gedanken festhalten
    • Hilft bei der Verarbeitung
  • Musik (ohne Strom): Singen, Instrumente (Gitarre, Mundharmonika)
    • Hebt die Stimmung enorm

Für Kinder besonders wichtig: Strukturierte Beschäftigung (Malen, Vorlesen, Spielen). Kinder spüren Stress – Routine und Normalität helfen.

Moral hochhalten

  • Kleine Freuden: Schokolade, Lieblings-Snack rationiert genießen
  • Gemeinsame Mahlzeiten: Zusammen essen, nicht jeder für sich
  • Positive Einstellung: „Wir schaffen das“ statt „Alles ist schrecklich“
    • Besonders wichtig, wenn Kinder dabei sind
  • Aufgaben verteilen: Jeder hat eine Rolle (auch Kinder!)
    • Wasser holen, Essen vorbereiten, aufräumen
    • Gibt Sinn und Struktur
  • Erfolge feiern: „Wir haben Tag 3 geschafft!“ → Kleine Belohnung

🛡️ Sicherheit & Nachbarschaftshilfe

Brandschutz – die größte Gefahr

  • Kerzen niemals unbeaufsichtigt: Besonders nachts ausmachen
    • Nicht einschlafen mit brennender Kerze!
  • Heizung beaufsichtigen: Gasheizer, Petroleumofen, Campingkocher
    • CO-Melder regelmäßig checken
    • Fenster kippen beim Heizen/Kochen
  • Feuerlöscher griffbereit: Wissen, wo er ist
    • Löschdecke für kleine Brände (Küche)
  • Fluchtweg frei halten: Keine Stolperfallen im Dunkeln

⚠️ Statistik: In echten Blackouts ist Brandgefahr das größte Risiko – nicht Plünderung oder Gewalt. Vorsicht bei offenem Feuer und improvisierten Heizmethoden!

Nachbarschaftshilfe

  • Regelmäßig checken: Ältere Nachbarn, Alleinerziehende
    • 1× pro Tag an Tür klopfen: „Alles ok?“
  • Ressourcen teilen: Wer hat was?
    • Generator, Wasser, Lebensmittel
    • Nicht alles für sich behalten – gemeinsam seid ihr stärker
  • Informationen austauschen: Was wisst ihr?
    • Radio-Infos weitergeben
    • Notbrunnen entdeckt? → Nachbarn informieren
  • Nachtwachen organisieren: Bei längeren Ausfällen
    • Abwechselnd nach Brandgefahr schauen
    • Hauseingang im Auge behalten

💪 Körperliche & mentale Gesundheit

Körperlich fit bleiben

  • Bewegung: Täglich 20–30 Minuten
    • Spaziergang (wenn sicher)
    • Gymnastik in der Wohnung
    • Treppensteigen
  • Hygiene (soweit möglich):
    • Zähne putzen (mit wenig Wasser)
    • Feuchttücher für Körperhygiene
    • Hände vor dem Essen reinigen
  • Schlaf: 7–8 Stunden
    • Regelmäßige Schlafenszeiten
    • Schlafsack nutzen (warm schlafen)

Mental stark bleiben

  • Informationskonsum begrenzen:
    • Radio nur 1–2× pro Tag (10 Min.)
    • Nicht ständig nach Infos suchen (verschwendet Energie)
  • Realistische Erwartungen:
    • Es wird unangenehm sein – das ist normal
    • Du musst nicht perfekt sein – nur durchhalten
  • Gespräche: Ängste aussprechen
    • Mit Partner, Familie, Nachbarn reden
    • Gemeinsam ist es leichter
  • Dankbarkeit: Fokus auf das, was du hast
    • „Wir haben Wasser, Essen, ein Dach über dem Kopf“

🚪 Wann bleiben, wann gehen?

Situation Bleiben Gehen
Vorräte vorhanden ✅ Ja ❌ Nein
Heizmöglichkeit im Winter ✅ Ja ❌ Nein (bei Minusgraden → Verwandte, Notunterkunft)
Wasser verfügbar ✅ Ja ❌ Nein (nach 3 Tagen ohne Wasser → suchen)
Brandgefahr im Haus ❌ Nein ⚠️ Ja (sofort evakuieren)
Offizielle Evakuierung ❌ Nein ⚠️ Ja (Anweisungen befolgen)
Medizinischer Notfall ❌ Nein ⚠️ Ja (Krankenhaus/Notarzt suchen)

Faustregel: Bleibe zu Hause, solange du Vorräte, Wasser und (im Winter) Wärme hast. Deine Wohnung ist dein sicherer Hafen. Gehe nur, wenn es absolut nötig ist.

Mini-Check

  • ☐ Ich weiß, wie ich Wasser, Essen und Energie rationiere
  • ☐ Ich habe eine Tagesroutine geplant
  • ☐ Ich habe Beschäftigungsmöglichkeiten zu Hause (Bücher, Spiele)
  • ☐ Ich weiß, wie ich Brandgefahr minimiere (Kerzen, Heizung)
  • ☐ Ich checke regelmäßig meine Nachbarn
  • ☐ Ich weiß, wann ich bleiben und wann ich gehen sollte

Weiter? Dann hol dir die finale Checkliste.

Im letzten Schritt bekommst du alle Checklisten auf einen Blick – zum Ausdrucken, Abhaken und regelmäßigen Überprüfen.