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Schritt 5: Haushalt vorbereiten

Ohne Strom kochen, waschen, kühlen – dein Haushalt funktioniert trotzdem
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🍳 Kochen ohne Strom – praktische Lösungen

Der Elektroherd funktioniert nicht, der Wasserkocher ist tot. So kochst du trotzdem:

Campingkocher (Gas)

  • Einflammig: Für kleine Haushalte (1–2 Personen)
    • Kosten: 15–30 €
    • 1 Gaskartusche (230 g) reicht für ~2 Stunden Kochzeit
  • Zweiflammig: Für Familien (mehr als 2 Personen)
    • Kosten: 40–80 €
    • Gleichzeitig zwei Töpfe
  • Gaskartuschen vorrätig: 5–10 Stück (à 230 g oder 450 g)
    • Lagerung: Kühl, trocken, nicht in direktem Sonnenlicht
    • Haltbarkeit: Unbegrenzt (Ventil intakt lassen)

⚠️ Sicherheit: Nur Indoor-zugelassene Kocher in der Wohnung!

Fenster kippen oder regelmäßig lüften (CO-Gefahr). Niemals Grill oder Holzkohle in Innenräumen verwenden.

Alternative Kochmethoden

  • Spirituskocher: Brennspiritus (1–2 Liter vorrätig)
    • Günstig, leicht zu beschaffen
    • Geringere Heizleistung als Gas
  • Outdoor-Holzkocher (z. B. Hobo): Nur für Balkon/Garten
    • Mit Holz, Zweigen betrieben
    • Rauch und Ruß – nicht in Wohnung!
  • Grill (Balkon/Garten): Holzkohle oder Gas
    • Für größere Mengen
    • Nur draußen verwenden
  • Kalt essen: Siehe Schritt 1 – viele Vorräte brauchen kein Kochen

Was ohne Strom kochen?

  • Wasser aufkochen: Für Tee, Kaffee, Instant-Suppen (wichtigste Anwendung)
  • Reis, Nudeln: Funktioniert auf Campingkocher (braucht viel Wasser!)
  • Dosensuppen erhitzen: Direkt aus der Dose (ohne Etikett)
  • Eintöpfe, Fertiggerichte: Aufwärmen
  • Thermoskanne nutzen: Wasser einmal aufkochen, in Thermoskanne warm halten für 6–12 Stunden

💡 Energie sparen

Kochen verbraucht Gas. Plane Mahlzeiten, die wenig Kochzeit brauchen. Nutze warmes Wasser aus der Thermoskanne mehrfach (Tee, Instant-Suppe).

Geschirr & Besteck ohne Spülmaschine

  • Einweggeschirr vorrätig: Pappteller, Plastikbesteck, Holzgabeln
    • Spart Wasser (kein Abspülen nötig)
    • 50–100 Stück für 10 Tage (Familie)
  • Einweg-Handschuhe: Beim Essen weniger dreckige Hände → weniger Waschen
    • 100 Stück Nitrilhandschuhe (~10 €)
  • Falls du spülst:
    • Zwei Schüsseln: Eine mit Seifenwasser, eine zum Abspülen
    • Kaltes Wasser reicht (Geschirrspülmittel für kaltes Wasser verwenden)

💧 Wasser aufbereiten – sicher trinken ohne Leitung

Wenn das Leitungswasser ausfällt oder unsicher ist, musst du Wasser aus anderen Quellen trinkbar machen.

Methoden der Wasseraufbereitung

Methode Wie? Was wird entfernt?
Abkochen 5–10 Min. sprudelnd kochen lassen Bakterien, Viren, Parasiten
Wasserfilter Durch Filter pumpen/drücken Bakterien, Schwebstoffe (je nach Filter auch Viren)
Wasseraufbereitungstabletten Tablette ins Wasser, 30–120 Min. warten Bakterien, Viren (Chlor oder Chlordioxid)
UV-Licht (SteriPEN) UV-Stab ins Wasser halten Bakterien, Viren (braucht Batterien!)

Wichtig: Abkochen ist die sicherste Methode, braucht aber Brennstoff. Filter sind praktischer, aber nicht alle entfernen Viren. Kombiniere im Zweifel mehrere Methoden.

Wo Wasser holen?

  • Notbrunnen / öffentliche Brunnen: Meist sicher (abkochen zur Sicherheit)
  • Nachbarn mit Brunnen: Fragen, ob du Wasser holen darfst
  • Fließgewässer (Bach, Fluss): IMMER aufbereiten (filtern + abkochen)
  • Regenwasser auffangen: Sauber, aber abkochen (Dächer sind oft schmutzig)
  • Teiche / stehendes Wasser: Nur im Notfall (viele Keime, mehrfach filtern + abkochen)

❌ Niemals trinken ohne Aufbereitung: Wasser aus Flüssen, Bächen, Teichen. Auch klares Wasser kann gefährliche Bakterien und Parasiten enthalten.

❄️ Lebensmittel kühlen ohne Strom

Der Kühlschrank ist aus. So bleiben Lebensmittel länger frisch:

Erste 24 Stunden: Kühlschrank geschlossen lassen

  • Kühlschrank zu lassen: Hält 4–6 Stunden kühl (wenn nicht ständig geöffnet)
  • Gefrierschrank zu lassen: Hält 24–48 Stunden (voller Gefrierschrank länger als halbleerer)
  • Eiswürfel / Kühlakkus: In Kühlschrank legen (verlängert Kühlzeit)

Improvisation: Kühlung ohne Strom

  • Keller / kühler Raum: Lebensmittel dorthin bringen (10–15°C besser als 20°C)
  • Balkon / Terrasse (im Winter): Bei Minusgraden wie ein natürlicher Kühlschrank
    • Achtung: Nicht einfrieren lassen (Milch, Eier platzen!)
    • Vor Tieren schützen (Vögel, Katzen)
  • Erdloch (Garten): 50 cm tief graben, Kiste mit Lebensmitteln reinstellen
    • Erde isoliert, hält kühler als Außentemperatur
  • Nasshandtuch-Methode: Lebensmittel in nasses Handtuch wickeln, in Luftzug hängen
    • Verdunstungskälte kühlt um 5–10°C
    • Funktioniert nur bei trockener Luft

💡 Prioritäten setzen

Verderbliches zuerst verbrauchen: Fleisch, Fisch, Milchprodukte (1–2 Tage). Gemüse, Käse (3–5 Tage). Eier, Butter (7+ Tage).

Was verdirbt wann?

Lebensmittel Ohne Kühlung haltbar Strategie
Fleisch, Fisch (frisch) 6–12 Stunden Sofort essen oder wegwerfen
Milch, Joghurt 1–2 Tage Schnell verbrauchen
Käse (Hartkäse) 3–7 Tage Hält länger, kühl lagern
Eier 7–14 Tage Lange haltbar, kühl lagern
Butter, Margarine 7–14 Tage Lange haltbar
Gemüse (robust) 3–7 Tage Kartoffeln, Karotten länger haltbar
Brot 3–5 Tage Trocken lagern (schimmelt sonst)

🗑️ Müllentsorgung – unterschätzt, aber kritisch

⚠️ Wenn die Müllabfuhr ausfällt

Müll sammelt sich schnell an. In 10 Tagen produziert eine 4-Personen-Familie 50–100 Liter Müll. Ohne Abfuhr wird es eng – und unhygienisch.

Müllbeutel – die wichtigste Vorbereitung

  • 20–50 Müllbeutel vorrätig (verschiedene Größen)
    • Kleine Beutel: für Hygiene, Toilette (10–15 Liter)
    • Große Beutel: für Hausmüll (60–120 Liter)
  • Warum so viele?
    • Pro Person: ~2–3 Beutel pro Tag (Müll + Nottoilette)
    • 10 Tage × 4 Personen × 2,5 Beutel = ~100 Beutel
  • Zusätzlich: Zeitungspapier, Katzenstreu (bindet Gerüche), Müllbeutel-Clips

Faustregel: Wenn du glaubst, du hast genug Müllbeutel – hol noch einmal so viele. Sie kosten wenig, halten ewig, und du wirst sie brauchen.

Nottoilette (falls Kanalisation ausfällt)

  • Campingtoilette: Mit Beuteln (50–150 €)
    • Praktisch, geruchsdicht verschließbar
  • DIY-Nottoilette: Eimer + Müllbeutel + Toilettensitz
    • Günstiger, funktioniert genauso
    • Nach Benutzung: Katzenstreu oder Sägespäne drauf (bindet Geruch)
    • Beutel verschließen, in größeren Müllsack packen
  • Lagerung: Verschlossene Beutel draußen (Balkon, Garten) oder in verschlossenem Eimer
    • Nicht in der Wohnung offen stehen lassen (Geruch, Hygiene)

Wichtig: Auch wenn die Toilette noch funktioniert – ohne Wasser kannst du nicht spülen. Spare Wasser für Trinken und Kochen, nicht für die Toilettenspülung.

🧺 Waschen & Hygiene ohne Waschmaschine

  • Feuchttücher: Für Körperhygiene (spart Wasser)
    • 5–10 Packungen vorrätig
  • Handwäsche: Nur das Nötigste waschen (Unterwäsche, Socken)
    • Eimer mit kaltem Wasser + Waschmittel
    • Auswringen, aufhängen (Leine in Wohnung spannen)
  • Trockenshampoo: Haare waschen ohne Wasser
  • Einweg-Handschuhe: Hände bleiben sauber → weniger waschen nötig

Mini-Check

  • Campingkocher + Gaskartuschen: 5–10 Kartuschen vorrätig
  • Einweggeschirr: 50–100 Stück (Pappteller, Plastikbesteck)
  • Wasseraufbereitung: Filter oder Tabletten vorhanden
  • Müllbeutel: 20–50 Stück (verschiedene Größen)
  • Nottoilette: Campingtoilette oder DIY-Lösung (Eimer + Beutel)
  • Katzenstreu / Sägespäne: Für Geruchsbindung vorrätig
  • Feuchttücher: 5–10 Packungen
  • Strategie Kühlschrank: Weiß, was zuerst verbraucht werden muss

Weiter? Dann lerne die Sofortmaßnahmen.

Im nächsten Schritt erfährst du, was du in den ersten Minuten und Stunden eines Blackouts tun musst – Schritt für Schritt.