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Schritt 3: Kommunikation vorbereiten
Ohne Telefon, Internet und Strom – Informationen bekommen und in Kontakt bleiben
Keine Anmeldung · Keine Daten · Kein Stress
📻 Warum Kommunikation so wichtig ist
Bei einem längeren Stromausfall fallen aus:
- Mobilfunk: Nach wenigen Stunden (Notstrom der Sendemasten reicht 2–8 Stunden)
- Internet: Meist sofort weg (Router braucht Strom)
- Festnetz: Oft abhängig von Strom (IP-Telefonie)
Das Problem: Du kannst nicht mehr anrufen, keine SMS schreiben, nicht googeln. Wie bekommst du Informationen? Wie erreichst du deine Familie?
Radio – deine Hauptinformationsquelle
- Batteriebetriebenes Radio (wichtigste Anschaffung!)
- Kann UKW-Sender empfangen (öffentlich-rechtliche Sender haben Notstrom)
- Ersatzbatterien vorrätig (AA oder AAA, je nach Modell)
- Kurbelradio (funktioniert ohne Batterien)
- Backup, wenn Batterien leer sind
- Oft mit USB-Ausgang zum Handy-Laden
- Solar-Radio (lädt tagsüber auf)
💡 Empfehlung: Kombination aus beidem
Batteriebetrieben als Hauptgerät (zuverlässiger), Kurbelradio als Backup. Kosten: 20–40 € insgesamt.
Was du im Radio hörst (und was nicht)
Das Radio liefert dir:
- Offizielle Durchsagen (Behörden, Katastrophenschutz)
- Grobe Lageeinschätzung (wie lange noch, welche Regionen betroffen)
- Verhaltensempfehlungen (wo Notunterkünfte, wo Wasser holen)
Das Radio liefert dir NICHT:
- Antworten auf alle deine Fragen
- Detaillierte Infos zu deiner Straße/deinem Haus
- Sofortige Updates (Infos kommen oft erst nach Stunden)
Faustregel: Erwarte in den ersten 12 Stunden kaum brauchbare Informationen. Konzentriere dich auf deine Vorbereitung – nicht auf Nachrichtensuche.
Sirenen-Warnsystem
In Deutschland und Österreich gibt es Sirenen für Katastrophenschutz:
| Signal | Bedeutung | Was tun? |
|---|---|---|
| 1 Minute Dauerton | Entwarnung | Gefahr vorbei |
| 1 Minute auf- und abschwellender Ton | Warnung | Radio einschalten, in Gebäude gehen, Anweisungen befolgen |
| 3× 12 Sekunden (in Österreich) | Feuerwehralarm | Freiwillige Feuerwehr rückt aus |
Wichtig: In Deutschland wird das Sirenen-System seit 2020 wieder ausgebaut (bundesweiter Warntag jedes Jahr im September). In Österreich wird jeden Samstag um 12 Uhr getestet.
👨👩👧👦 Treffpunkte & Notfallpläne – VORHER festlegen!
Wenn Telefon und WhatsApp ausfallen, kannst du niemanden mehr anrufen. Deshalb muss VORHER klar sein:
- Wer holt die Kinder? (Schule, Kita, Hort)
- Hauptperson festlegen (z. B. Mutter)
- Ersatzperson festlegen (z. B. Nachbar, Verwandte)
- Mit Schule/Kita besprechen und schriftlich hinterlegen
- Wo treffen wir uns? (wenn ihr getrennt seid)
- Primärer Treffpunkt: Zuhause
- Sekundärer Treffpunkt: z. B. bei Verwandten/Nachbarn (falls Zuhause nicht erreichbar)
- Wer wartet wie lange?
- Zeitfenster festlegen (z. B. „Ich warte 2 Stunden am Treffpunkt“)
- Plan B besprechen, wenn niemand kommt
- Wer kümmert sich um hilfsbedürftige Personen?
- Ältere Nachbarn, Angehörige mit Behinderung
- Regelmäßig checken, ob alles ok ist
⚠️ Keine Feedback-Schleife!
Ohne Kommunikation weißt du nicht, ob dein Plan funktioniert hat. Deshalb ist es so wichtig, ALLES vorher durchzusprechen – mit Familie, Nachbarn, Schule, Arbeitgeber.
📞 Wichtige Kontakte – ausgedruckt!
Dein Smartphone ist leer oder hat kein Netz. Drucke diese Nummern aus und lege sie griffbereit hin:
- Notrufnummern: 112 (europaweit), 110 (Polizei)
- Familie & enge Freunde (Handy + Festnetz, falls vorhanden)
- Nachbarn (besonders wenn ihr euch gegenseitig helft)
- Arbeitgeber (falls du nicht zur Arbeit kommst)
- Schule / Kita der Kinder
- Hausarzt, Apotheke
- Versicherungen (für Schadensmeldung)
- Netzbetreiber (Strom, Gas, Wasser) – Störungshotlines
💡 Tipp: Laminiere die Liste oder stecke sie in eine Klarsichthülle – dann bleibt sie lesbar, auch wenn’s feucht wird.
Notfallkontakt außerhalb der Region
Bei großflächigen Blackouts ist oft das Mobilfunknetz in benachbarten Regionen noch intakt.
- Lege einen Notfallkontakt außerhalb deiner Region fest (z. B. Verwandte in anderer Stadt)
- Alle Familienmitglieder rufen diese Person an, wenn möglich
- Diese Person fungiert als „Schaltstelle“ und gibt Infos weiter
📡 Funkgeräte (optional – niedrige Priorität)
Funkgeräte sind nett, aber erst relevant, wenn alles andere erledigt ist.
| Funkart | Reichweite | Kosten | Für wen? |
|---|---|---|---|
| PMR446 (Walkie-Talkie) | ~1–3 km (Stadt) ~5 km (freies Gelände) |
20–50 € pro Paar | Kommunikation innerhalb der Nachbarschaft |
| CB-Funk (Citizen Band) | ~5–20 km (je nach Bedingungen) | 50–150 € pro Gerät | Weitere Distanzen, aber anfällig für Störungen |
| Amateurfunk (Lizenz nötig) | Bundesweit bis weltweit | 200–1.000+ € + Prüfung |
Experten, Notfallkommunikation |
Faustregel: Bevor du Funkgeräte kaufst, solltest du 20 Tage Essen, Wasser, Licht und Wärme im Griff haben. Funkgeräte sind Luxus, keine Grundausstattung.
🤝 Nachbarschaftshilfe organisieren
- Jetzt schon: Mit Nachbarn ins Gespräch kommen
- Wer hat welche Fähigkeiten? (Erste Hilfe, Handwerk, Kochen)
- Wer hat was vorrätig? (Generator, Werkzeug, Radio)
- Wer braucht Hilfe? (Ältere, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung)
- Im Notfall: Tür-zu-Tür gehen und checken, ob alle ok sind
- Aushang im Hausflur: Infos für alle (wenn Strom weg ist)
Erfahrung aus echten Blackouts: Nachbarschaften, die sich kennen und helfen, kommen deutlich besser durch Krisen als anonyme Häuser.
Amateurfunker in der Nähe?
Amateurfunker spielen im Katastrophenschutz eine wichtige Rolle:
- Viele haben Notstromaggregate
- Können bundesweit kommunizieren (auch wenn alles andere ausfällt)
- Werden oft in Zivilschutz-Pläne eingebunden
Tipp: Finde heraus, ob in deiner Nachbarschaft Amateurfunker wohnen. Im Notfall können sie Infos weiterleiten oder Hilfe organisieren.
🧠 Informationen bewerten – Gerüchte vs. Fakten
In einem Blackout kursieren viele Gerüchte. Nicht alles, was du hörst, ist wahr.
| Quelle | Vertrauenswürdig? | Beispiel |
|---|---|---|
| Öffentlich-rechtliches Radio | ✅ Hoch | Offizielle Durchsagen, Behörden-Infos |
| Sirenen-Warnsystem | ✅ Hoch | Warnung vor Gefahren |
| Nachbarn (direkt) | ⚠️ Mittel | Erfahrungsberichte, aber oft unvollständig |
| Gerüchte („Ich habe gehört…“) | ❌ Niedrig | „Tante von Schwester von…“ – oft falsch |
| Soziale Medien (falls Netz da) | ❌ Sehr niedrig | Viele Falschinformationen, Panik |
Wichtig: Verschwende nicht zu viel Zeit mit Informationssuche. Wenn du vorbereitet bist, ist die Informationslage zweitrangig. Konzentriere dich auf deine Vorräte und deine Familie.
Mini-Check
- ☐ Radio: Batteriebetrieben + Kurbelradio als Backup vorhanden
- ☐ Ersatzbatterien: Für Radio vorrätig
- ☐ Treffpunkte: Mit Familie besprochen (wer holt Kinder? wo treffen wir uns?)
- ☐ Notfallpläne: Mit Nachbarn/Verwandten abgestimmt
- ☐ Wichtige Kontakte: Ausgedruckt und griffbereit
- ☐ Notfallkontakt außerhalb: Festgelegt (in anderer Region)
- ☐ Nachbarn: Kennengelernt, gegenseitige Hilfe besprochen
Weiter? Dann sichere Bargeld & Dokumente.
Im nächsten Schritt erfährst du, warum Bargeld bei einem Blackout überlebenswichtig ist – und welche Dokumente du griffbereit haben musst.